"Campus-Legenden" mit Maryam Blumenthal

Shownotes

Maryam Blumenthal, Hamburgs Wissenschaftssenatorin, fand ihren Weg in die Politik über Bildung und Basketball. Die ehemalige Berufsschullehrerin studierte Erziehungswissenschaften an der Universität Hamburg und schreib ihre Magisterarbeit unter herausfordernden Bedingungen. Im Gespräch mit Universitätspräsident Dr. Hauke Heekeren erzählt sie, wie sie durch eine Frauenquote zu7 den Grünen kam, weshalb Bildungsgerechtigkeit ihr Lebensthema wurde und wie der Sport ihr Demokratieverständnis prägte.

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00:00:05: Gebore in Tierra, aufgewachsen in Bad Schwarthau, Viersen und Hamburg.

00:00:11: Nach dem Abitur studierte sie Erziehungswissenschaft, Psychologie und Ethnologie an der Universität

00:00:16: Hamburg

00:00:17: und war anschließend als Berufsschul sowie Oberstufenlehrerin tätig.

00:00:21: Ihre politische Laufbahn begann die grünen Politikerin im Jahr, als Mitglied der Bezirksversammlung Hamburg-Wandsbek.

00:00:35: für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke und bezeichnet sich dabei als klassische Quotenfrau.

00:00:41: Heute ist sie zu Gast bei Universitätspräsident Hauke Hekaren, Hamburgs Wissenschaftsenatoren.

00:00:59: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Campuslegenden, dem Podcast der Uni Hamburg über Bildungswege, Wendepunkte und Wirkung.

00:01:10: Mein Name ist Hauke Hekern und ich bin der Unipräsident und heute spreche ich mit Hamburgs Wissenschafts-Szenatorin Marian Blumenthal über ihre Zeit an unserer Universität und an ihrer Universität, an der sie Erziehungswissenschaft, Psychologie und Ethnologie studiert hat.

00:01:28: Und ich möchte in dem Gespräch heute herausfinden, welche Vorstellungen sie von ihrem Berufsleben hatte, als es sich für diese Studienfächer entschied.

00:01:37: Oder auch, wie sie das Studium und die Geburt ihrer ersten beiden Kinder unter einen Hut gebracht hat.

00:01:42: Und vielleicht auch, welche Rolle Politik bereits während ihrer Zeit auf dem Unikampus gespielt hat.

00:01:49: Schön, dass Sie heute da sind, die Frau Blumenthal.

00:01:51: Danke, dass ich da sein darf.

00:01:53: Ja, holen Sie uns nochmal ab.

00:01:54: Abbi, zwei Tausendvier, glaub ich, ne?

00:01:57: Wie war das damals?

00:01:58: Also, was hat Sie damals umgetrieben, als Sie sich dann dafür entschieden haben, was Sie gemacht haben?

00:02:04: Gab es halt auch Erwartungen, dass Eltern nach Hause sind, so in dieser Richtung?

00:02:09: Genau.

00:02:09: Abi habe ich im Jahr zwei Tausend vier gemacht.

00:02:11: Das war letztes Jahr ein nur zwanzigjähriges Abi-Jubilium.

00:02:15: Ich kann es immer noch kaum glauben.

00:02:18: Ich habe Abi am Gymnasium Ulenhaus Bamberg gemacht.

00:02:22: Die Schule gibt es leider gar nicht mehr, die ist irgendwann abgerissen worden und dann wohnt eine Wohnung hingebaut.

00:02:28: Es ist sehr schade, irgendwie fehlt so ein bisschen das Schul zu Hause, wo man nochmal gerne zurückkehrt und sich das alles anguckt.

00:02:35: Aber ich bin eigentlich auch sehr gerne zur Schule gegangen, hatte zu der Zeit allerdings, ja, ich würde sagen, für so eine Jugendliche, die irgendwie im Abi, in der Abi-Phase ist und in so einem Umbruch ja eigentlich mit der großen Frage.

00:02:49: beschäftigt ist, was kommt jetzt eigentlich danach eher an?

00:02:53: schwierige Lebensphase.

00:02:54: Meine Eltern waren gerade in der Scheidung, ich habe viel, viel, viel in der Schule gefehlt.

00:03:00: Ich war überhaupt nicht so die Musterschülerin und war noch voll drin im Leistungssport, habe viel, viel, viel Basketball gespielt, habe jeden Tag Training gehabt, viel Schule geschwänzt, muss man sagen.

00:03:12: Und mich wenig damit beschäftigt, was kommt jetzt eigentlich nach der Schule?

00:03:16: Sondern mich viel damit beschäftigt, was ist eigentlich heute?

00:03:20: Und wann ist das nächste Training?

00:03:21: Und wo finde ich eigentlich so mein Safe Space?

00:03:24: Und das war für mich immer die Halle.

00:03:26: Und von daher, ja, war dieses, was kommt jetzt eigentlich nach der Schule, diese Frage?

00:03:33: Ich fand es immer sehr spannend von meinen Mitschielerinnen und Mitschielern zu hören, was die so alles schon im Petto haben.

00:03:38: Ein Jahr vorher schon ein Ausbildungsplatz fertig und und du alles Studium und irgendwie wissen die schon, wo sie studieren wollen und all das.

00:03:45: Und ich stand da und dachte immer, okay, ich weiß gar nicht, wen ich fragen soll, was ich so machen soll und was gibt es eigentlich alles so für coole Berufe.

00:03:54: Und hab dann tatsächlich nach dem Abi ein Jahr erst mal nur gejobbt.

00:03:59: Was haben Sie da so gemacht?

00:04:00: Alles.

00:04:01: Also ich habe gekellnert, ich habe im Coil Center gearbeitet, ich habe erstmal einfach Geld verdient und versucht irgendwie für mich selber vieles zu sortieren und viel, viel Basketball gespielt.

00:04:13: Kurz danach dann auch tatsächlich einfach von heute auf morgen aufgehört mit dem Sport, also komplett wirklich von heute auf morgen auch eineinhalb Jahre dann gar nicht mehr gespielt und in der Zeit dann irgendwann auch eingefangen zu studieren.

00:04:26: Okay, was war denn der fieseste Job, den Sie gemacht haben?

00:04:30: Der fieseste Job war Kenan im Alex Alster Pavillon.

00:04:37: Okay.

00:04:39: Richtig schlimm.

00:04:40: Was habt ihr aus Fies gemacht?

00:04:42: Ich, der damalige Chef.

00:04:44: Also es war wirklich junge Leute, die da jobben.

00:04:47: Die wurden da nicht so gut behandelt.

00:04:49: Also ich, ich jedenfalls nicht.

00:04:52: Und viele andere auch nicht.

00:04:53: Und ich bin immer schon jemand gewesen.

00:04:55: Ich glaube, deswegen bin ich auch irgendwann in der Politik gelandet, die Ungerechtigkeit nicht einfach so stehen lassen konnte.

00:05:01: Und immer die war, die dann nach vorne gegangen ist und es noch angesprochen hat, mit egal welcher Konsequenz darauf folgen mochte.

00:05:08: Und ich wurde tatsächlich gekündigt.

00:05:11: Okay.

00:05:11: Das ist ja auch spannend.

00:05:16: Ich hatte immer so ein Job, wo ich Käse geschnitten habe.

00:05:18: Das habe ich anderthalb Tage durchgehalten.

00:05:20: Das war ganz fies.

00:05:20: Und im Keller in einem Kabuff.

00:05:23: Und man riecht dann so durch und durch nach Käse.

00:05:25: Ja, das ist ganz

00:05:26: komisch.

00:05:27: Ich habe

00:05:28: eigentlich gerne gekellnert, muss man jetzt sagen.

00:05:30: Also ich fand es immer witzig und habe es auch gerne gemacht und mit Menschen in Kontakt und so weiter, aber nicht dort.

00:05:37: Okay, so dann nochmal jetzt zurück zum Studium.

00:05:41: Das lange auch spannend, dass sie erst mal da gar nicht so klar waren, was ist dann passiert, dass sie dann okay, jetzt weiß ich, was ich mache.

00:05:49: Also ich habe nachdem ich ein Jahr erst mal nichts gemacht habe, habe ich gedacht, ich bin jetzt die geborene Grundschullehrerin.

00:05:57: weil ich ja Kinder so toll finde und irgendwie das Gefühl habe, ich kann gut mit denen.

00:06:01: Ich habe sehr früh in meinem Basketballverein auch Kindermannschaften trainiert und mich viel eingebracht, Jüngere sozusagen mitzunehmen und habe dann tatsächlich ein Semester angefangen, auf Lehramt zu studieren, Grund- und Mittelstufe mit Deutsch und Geschichte in den Fächern.

00:06:19: Und habe dann für mich gemerkt, so mir gefällt der erziehungswissenschaftliche Teil.

00:06:24: Und er ist ja in so einem Lehramtsstudium eher geringer.

00:06:27: und habe dann tatsächlich nach einem Semester gewechselt und da wusste ich, ich will einfach mehr eintauchen in diese erziehungswissenschaftlichen Theorien und alles das, was ich in den Seminaren mitbekommen habe.

00:06:40: Ich habe auch einige gute Dozenten gehabt, glaube ich, die einfach mich damit dafür begeistert haben und diese ganze Frage, warum Menschen so ticken wie sie ticken und welche Theorien eigentlich dahinter stecken, wie wir uns entwickeln als Menschen, warum.

00:06:54: Menschen sich so entwickeln, wie sie sich entwickeln und auch so unterschiedlich.

00:06:58: Und was da eigentlich für Fragestellungen Antworten dahinter stecken können.

00:07:01: Und hab dann den Studiengang Wechsel beantragt und hab dann Erziehungswissenschaften im Hauptfach studiert.

00:07:08: Hatten Sie damals noch Alternativen im Kopf?

00:07:10: Also hätte auch eine Ausbildung zur Debatte gestanden oder?

00:07:15: Nee, also so wenig Beratung sozusagen, ich von zu Hause bekommen konnte, weil ich bin tatsächlich bei mir nach Familie die erste, die studiert hat hier in Deutschland.

00:07:24: So sehr war aber immer klar, irgendwie ein Studium muss das sein.

00:07:28: Ich beobachte das im Übrigen bei vielen meiner Freundinnen und Freunden, die aus dem Iran stammen oder deren Eltern sozusagen aus dem Iran kommen.

00:07:35: Wir haben eine sehr hohe Bildungsaspiration, die wir sozusagen erleben in unseren Elternhaushalten, mit Eltern, für die irgendwie klar ist, wir müssen auf jeden Fall studieren, weil dieses System, wo alle Ausbildung, wie wir das hier in Deutschland haben, was ich im Übrigen extrem klasse finde, ich bin ja später Berufsschullehrerin geworden und auch sehr hochhalten möchte.

00:07:57: Einstellungsmerkmal Deutschlands.

00:07:59: Das kannten meine Eltern ja so gar nicht.

00:08:01: Das war nie Thema.

00:08:02: Aber ein Studium sozusagen, den höchsten Bildungsweg, den man irgendwie gegen kann, den vermeidlich höchsten sozusagen, das war irgendwie immer so ein ungeschriebenes Gesetz.

00:08:12: Und deswegen war für mich klar, irgendwann werde ich studieren.

00:08:17: Und wenn Sie jetzt so an die Studienzeit zurückdenken, an was für besondere Momente erinnern Sie sich oder was für Gefühle kommen da in Ihnen hoch?

00:08:28: Also ich war sehr gerne Studentin eigentlich und ich erinnere mich auch noch an so meine allerersten Vorlesungen und Seminare, so dieses, dieses Riesenkampus, diese große Welt des Studierens mit so vielen jungen Leuten auf einmal so und einzutauchen in diese großen Diskussionen über Sinn und Unsinn und auf einem, ja in meinen Augen wirklich sehr attraktiven Level auch zu diskutieren mit anderen.

00:08:58: Das fand ich immer toll und das hat mich extrem begeistert, schon direkt von Tag eins.

00:09:04: Aber ich fand es auch etwas stressig.

00:09:06: Also ich hatte nun nicht so ein super privilegiertes Studentinnenleben, so muss ich sagen.

00:09:13: Ich musste immer schon viel auch arbeiten neben dem Studium.

00:09:17: Also meine Studentinnenzeit war sehr geprägt von einem Job auch nach dem anderen.

00:09:22: Dann habe ich ja auch im Studium meine ersten beiden Kinder bekommen.

00:09:26: Und musste da auch versuchen, das alles gut unter einen Hut zu bekommen.

00:09:30: Und ich habe immer viel Sport gemacht, hatte immer viel Training und war dann eher, glaube ich, so die Studentin, die wirklich an den Campus gegangen ist, um die Vorlesung und das Seminar zu besuchen und danach auch direkt wieder abgedampft ist.

00:09:44: Ich hatte auch immer einen beiden Weg.

00:09:46: Aussteigtshop rein sozusagen zum Grindelhof, das ist halt auch eine Strecke und habe da wirklich sehr auf mein Zeitkontingent geachtet an, wie viel Zeit ich tatsächlich dann auch auf den Campus verbringe und wie viel ich dann auch für andere Sachen aufbringe.

00:10:03: Das finde ich im Nachhinein sehr, sehr schade.

00:10:05: Ich will sehr natürlich auch, wie es anders sein kann.

00:10:08: Auch nicht nur jetzt aus meiner jetzigen Rolle.

00:10:10: Ich habe es damals natürlich immer schon auch bei Kommilitoninnen gesehen, wie es auch anders sein kann.

00:10:15: Aber es hat alles Vor- und Nachteile.

00:10:19: Was denken Sie besonders gerne zurück aus der Zeit?

00:10:23: Ach, ich denke sehr, sehr gerne an verschiedenste Seminare, die mich sehr geprägt haben.

00:10:29: Ich denke auch gerne daran, dass ich eine meiner wirklich besten Freundinnen in der Zeit, dass wir so zusammengewachsen sind, die mich auch bis heute im Leben sehr begleitet.

00:10:40: Das hat sich so durch die Uni irgendwie so verfestigt und durch das gemeinsame Studieren.

00:10:45: Und ja, ich denke auch gerne daran zurück, was für ein tolles Gefühl ist, wenn man so eine Etappe nach der anderen dann auch besteht.

00:10:53: Und wenn man dann mit guten Prüfungsergebnissen nach Hause geht und denkt so, ja, das ist alles gut.

00:10:58: Und irgendwie so mit den Semestern irgendwie sich das Bild so runter macht und runter wird, was will man eigentlich am Ende damit machen?

00:11:05: Weil das war mir von Anfang an so noch nicht so richtig

00:11:08: klar.

00:11:09: Ja, finde ich schon das beeindruckend.

00:11:13: Studierende Mutter ist tatsächlich durch das auch heutzutage sehr, sehr häufig, also gerade auch im Lärmensbereich viele Studierende, die schon, wie sagt man das jetzt, Kerverpflichtungen ja auch haben, Männer wie auch natürlich Frauen.

00:11:26: Gibt es einen Moment, wo Sie sagen, Puh, da war es aber auch echt mal schwierig?

00:11:30: Ja, also vor allem die Magisterarbeit damals zu schreiben, das fand ich wirklich sehr, sehr, sehr hart.

00:11:35: Ich war dann schon vier Jahre beurlaubt, weil ich dann die ersten beiden Kinder bekommen habe.

00:11:41: Ich habe mit Ende der ersten Schwangerschaft versucht wirklich scheinfrei zu sein, alle Prüfungen nochmal durchzukloppen, bevor das erste Kind kommt, sodass ich sozusagen mit einem guten Gefühl in die Beurlaubung gehen konnte.

00:11:53: Und dann war ich vier Jahre raus und habe dann das zweite Kind bekommen und wusste und habe dann beobachtet, alle meine Kommilitoninnen, mit denen ich studiert hatte, die sind dann fertig geworden sind, in die Berufe reingegangen, haben angefangen Geld zu verdienen, haben angefangen irgendwie so ein erwachsenen Leben zu führen.

00:12:14: Und ich war eben noch beurlaublich, hatte meinen Abschluss noch nicht.

00:12:18: Ich, so im Nachhinein, wir reflektieren das viel Freundinnen und ich, die dann sagen, aber du hattest da, du warst dann schon Mutter und das hat uns auch gestresst.

00:12:26: Also was mir im Nachhinein nur zeigt, so egal wie man es macht, man stresst irgendwie immer andere, die das anders machen.

00:12:32: Aber wir haben wenig darüber geredet zu der Zeit.

00:12:35: Und dann wirklich diese Abschlussarbeit zu schreiben.

00:12:38: Ich musste dann noch die mündliche Prüfung schreiben, die ging dann noch, aber wirklich diese Magisterarbeit, die über einen langen Zeitraum ja geschrieben werden musste, mit wirklich viel Lektüre, die ich herangezogen habe und so weiter.

00:12:49: Damals haben wir in einer Zweizimmer Kellerwohnung gewohnt, ich hatte keinen Schreibtisch, ich hatte nicht mal ein Laptop, den hat mein Mann damals von einer Kominulitonin von sich geliehen, den Laptop, damit ich auf dem Laptop meine Magisterarbeit schreiben konnte, weil wir uns keinen leisten konnten als junge Eltern.

00:13:05: Und den hat sie übrigens nie zurück gewollt.

00:13:08: Den haben wir vor ein paar Jahren mal beim Ausmisten zu Hause gefunden.

00:13:12: Da habe ich auch gedacht, wie kann man sein Laptop nie zurück wollen.

00:13:16: Also offenbar hat sie den nicht gebraucht, okay.

00:13:19: Aber ich habe dann zu der Zeit schon als Erzieherin gearbeitet und hatte eben die beiden Kinder und habe dann die abends ins Bett gebracht, nachdem ich schon tagsüber gearbeitet hatte.

00:13:29: Ich bin regelmäßig um neunzehn Uhr, wenn ich die Kinder ins Bett gebracht habe, eingeschlafen.

00:13:33: Um einundzwanzig Uhr hatten wir immer den Deal, hat mein Mann mich geweckt.

00:13:37: Und dann habe ich bis zu ein, zwei Uhr nachts auf dem Bett durchgeschrieben und gearbeitet.

00:13:42: Und dann hatte ich ja kein Schreibtisch.

00:13:44: Und wir hatten so ein Bettlaken, da waren dann alle meine Bücher aufgeschlagen.

00:13:48: Und damit ich das nicht alles wieder sozusagen zu machen und am nächsten Abend neu öffnen müsste, haben wir dieses Bettlaken als Schreibtisch benutzt.

00:13:56: Er hat dann auf der einen Seite immer angefasst in der Nacht und ich auf der anderen und dann haben wir das... gerade gezogen und so unter das Bett geschoben und am nächsten Abend wieder raus.

00:14:04: Das war schon eine wirklich harte Zeit, damit die Kinder da nicht rangehen und wir die Seiten nicht durcheinander bringen.

00:14:11: und meine Bücher, wie ich sie sozusagen hingelegt hatte, ja und andere, die vielleicht eher nicht diese Verpflichtung haben, haben dann in der Staatsmilitär gelernt oder geschrieben oder sind dann in irgendeiner in irgendeine schöne Bibliothek, die wir ja hier überall auf dem Campus haben, eine der schönen Bibliotheken gegangen, haben dann sicherlich dort an den Arbeitsplätzen ein bisschen sortiert und geordnet gearbeitet.

00:14:34: Das war eine wirklich krasse Herausforderung, weil ich einfach durchgehend so müde war und oft am nächsten Tag gar nicht mehr wusste, was ich in der letzten Nacht eigentlich geschrieben hatte, wo meine Gedanken eigentlich waren, um da wieder anzuknüpfen.

00:14:46: Das fand ich hart.

00:14:48: Haben Sie sich in der Zeit von der Uni gut unterstützt gefühlt?

00:14:52: Nein, aber das lag auch nicht unbedingt an der Uni, sondern eher an mir, glaube ich.

00:14:56: Also ich habe auch gar keine Unterstützung so in dem Sinne eingefordert.

00:15:00: Ich habe tatsächlich am Anfang der Schwangerschaft, war ich bei einer Beratung und das war super, da wurde ich gut beraten.

00:15:07: Aber als ich dann diese vier Jahre raus war, das habe ich so echt viel mit mir selber ausgemacht.

00:15:11: Zum Nachhinein denke ich, ja, da hätte es... vielleicht proaktiver Unterstützung geben können.

00:15:17: Ich hätte mir auch Unterstützung holen können, aber man ist ja in so einer Dynamik drin.

00:15:22: Man ist ja irgendwie so in seinem eigenen Hamster-Rädchen und funktioniert dann so.

00:15:26: Also von daher kann ich sagen, ich fühlte mich nicht gut unterstützt, aber ich habe auch keine Unterstützung eingefordert.

00:15:32: Okay.

00:15:33: Ich will gerne nochmal so ein krassen Themenwechsel machen, weil Sie vorhin auch schon einmal anklicken lassen haben, wie wichtig ja auch der Sport immer war.

00:15:40: Und Sie jetzt gerade gesagt haben, wie sehr Sie jetzt dafür sich selbst gesorgt haben und ja irgendwie nicht eine Teamunterstützung, vielleicht sehr familiär, dass Herr Manzi auch toll unterstützt hat.

00:15:52: Wie war es im Gegensatz da zu im Basketball?

00:15:55: Also das, ich war mal von Ihnen gelesen, dass Sie sagen, es hat auch viel mit Ihrem Defokativvorstellendes zu tun.

00:16:00: Wie kommt das?

00:16:01: Gibt's da... Ja,

00:16:02: also das ist wirklich der erste Ort, an dem ich gelernt habe, dass man nicht einfach sagt, Die und die wird Mannschaftskapitänin, sondern wir stimmen ab.

00:16:11: Und wir stimmen auch gerne darüber ab, ob wir geheim abstimmen wollen oder nicht.

00:16:18: Also wirklich so wie funktioniert?

00:16:19: sozusagen sich darauf einigen, wer welchen Posten kriegt und vor allem wie einigen wir uns auch darauf, wie sich das Team weiterentwickeln soll auch perspektivisch.

00:16:30: So ein bisschen wie soll sich die Gesellschaft weiterentwickeln und wie funktioniert das eigentlich, wenn ja Menschen, die Also zusammengewürfelt, plötzlich eine Einheit bilden sollen.

00:16:41: Also wirklich superheterogen von überall her.

00:16:44: Am Ende irgendwie so an einem gemeinsamen Ziel arbeiten.

00:16:47: Und genauso aber auch so dieses Bewusstsein.

00:16:51: Es ist schon sinnvoll, wenn du Verantwortung übernimmst für die Gesellschaft.

00:16:54: Also all das, was unsere Gesellschaft hier ja auch sehr ausmacht, nicht nur das Ehrenamt, sondern wirklich, dass Menschen sich verantwortlich füreinander fühlen.

00:17:02: Das habe ich über den Sportverein gelernt.

00:17:04: Jetzt musst du auch und jetzt hast du die und die Mannschaft, in der du mit trainieren darfst.

00:17:09: Wie fördern dich?

00:17:09: Um den Gegenzug musst du einen Trainerschein machen oder einen Schiedsrichterschein machen oder was auch immer.

00:17:15: Ein irgendwie da und da unterstützen oder ein Amt in einer Mannschaft annehmen.

00:17:18: Das wirst du ja total selbstverständlich in unserem Sportverein und in einer Sportmannschaft, weil das nur so funktionieren kann.

00:17:24: Nur so hält sich das System ja.

00:17:27: Und ich bin da sehr, sehr dankbar für das.

00:17:30: ich sehr früh in diese Sport- und auch in diese Mannschafts-Sportwelt reingetauchen konnte.

00:17:38: Und dann haben Sie ja den Weg auch in die Politik genommen.

00:17:41: Wie ist denn dazu gekommen?

00:17:43: Ja, das hatte gar nichts mit dem Studium als solches zu tun, um ehrlich zu sein.

00:17:48: Sondern mein Mann ist damals, ich glaube, war es ein Mann, dass es im Jahr Jahr zwei tausendzehn, als Angela Merkel den Austritt aus dem Atomaustritt kommuniziert hatte, war der so sauer.

00:17:58: Dass er gesagt hat, er tritt jetzt bei den Grünen ein und er geht jetzt auch zu grünen Veranstaltungen und unterstützt die.

00:18:05: Und wir hatten ja schon diese zwei kleinen Kinder und ich hatte zu der Zeit ja auch noch nie mal mein Studium fertig und so und war wieder voll im Sport drin und habe dann ein paar Jahre das so beobachtet, was er da so macht.

00:18:20: und irgendwann hat er gesagt, komm noch mal mit.

00:18:22: Und dann bin ich mitgegangen, dachte ja.

00:18:26: Es ist nicht so uninteressant, worüber die reden, aber ich muss das jetzt auch nicht ständig haben.

00:18:32: Es gibt ja auch andere Themen, die zu Hause auf mich warten und im Sport usw.

00:18:38: Und dann ist das immer mehr geworden.

00:18:42: haben wir Grüne, ja, die Frauenquote.

00:18:44: Wir haben ja eine Frauenquote, die besagt, wir müssen auf Listen, wenn uns Menschen wehen dürfen, damals bei der Bezitzversammlungswahl, müssen wir auf jedem ungeraden Platz, also Platz eins, Platz drei und fünf und so weiter, müssen wir Frauen aufstellen für Wahlen.

00:19:00: Und es fehlten Frauen.

00:19:01: Und da hat man mich dann gefragt, heute sind wir sehr eng befreundet.

00:19:05: damals, war das der Fraktionsvorsitzende im Bezirk, Dennis Prostian Descher, der ist auch Abgeordneter.

00:19:10: in der Bürgerschaft heute, der hat mich gefragt, ob ich bereit wäre, auf so eine Liste zu gehen.

00:19:16: Wir würden, dass Mandat ja eh nie kriegen und auf gar keinen Fall und überhaupt und so.

00:19:20: Es ist dann alles anders gekommen und heute sitze ich hier.

00:19:24: Guck, das heißt, Sie haben das irgendwo auch mal gesagt, ja, Sie waren Kotenfrau.

00:19:28: Ja,

00:19:28: und ich stehe auch dazu, weil ohne diese Quote hätte man mich nie emp- also ich hätte mich selber nicht empowern können.

00:19:35: Ich hätte immer gedacht, Politik und wirklich Einfluss nehmen.

00:19:39: Das machen die, die das immer schon gemacht haben oder die das vom Elternhaus mitbekommen.

00:19:44: Oder du musst da vielleicht so eine andere Editude haben, um das irgendwie zu machen.

00:19:49: Ich hatte nie kein Selbstbewusstsein, aber ich habe mich nie damit identifiziert, dass ich in so einer Form irgendwie an der Gesellschaft mitwirken kann und meine Ideen auch wirklich in so einer Dimension etwas wert sein können, so oder wert sind.

00:20:03: Und niemand kommt und rollt einem ja den roten Teppich aus und sagt so und hier auf dich haben wir jetzt übrigens gewartet, hat die Welt jetzt gewartet.

00:20:10: Und durch diese Quote war man wirklich gezwungen Frauen zu empowern.

00:20:14: Ich habe das nachher ja selber.

00:20:16: in vielerlei Formen und Varianten gemacht, Frauen zu empowern, junge Mütter zu empowern.

00:20:22: Heute sieht die Landschaft ja ganz anders aus, vom Bezirk bis hin zur Bürgerschaftsfraktion.

00:20:27: Was vor zehn, fünfzehn Jahren einfach noch nicht so selbstverständlich war, junge Mütter in der Politik, das beobachten wir in Hamburg bei uns Grün, jetzt ganz anders.

00:20:37: Gibt es einen Moment, wo sie gesagt haben, jetzt hat es gezündet, oh, ich bin jetzt Politikerin, an den sie sich erinnern?

00:20:44: Ja, es war so ein schleichender Prozess.

00:20:46: Ich habe dann irgendwann gesagt, ich nehme das Mandat an, aber es darf nicht so viel Dominanz in meinem Leben haben und nicht so viel Raum einnehmen.

00:20:53: Und Sport ist mir immer sehr, sehr wichtig gewesen.

00:20:56: Und dann kippte sozusagen das Verhältnis irgendwann, als ich gemerkt habe, mir wären die Themen so wichtig.

00:21:00: Ich möchte die gar nicht abgeben.

00:21:01: Ich möchte die bis zum Ende auch selber weiter bearbeiten, dass ich mich immer mehr eingebracht und immer mehr eingebracht habe.

00:21:07: Und dann war ich irgendwann Fraktionsvorsitzende im Bezirk und Kreisvorsitzende, Parteivorsitzende.

00:21:12: Aber ich glaube, so der Moment, wo ich dachte, oha, ich bin jetzt wirklich Politikerin ist, als sich so abgezeichnet hat, dass ich für die Bürgerschaft kanidieren werde.

00:21:20: Das war so, im Jahr zwei Tausend achtzehn wusste ich, ich werde zwei Tausend neunzehn mein Hut in den Ring werfen.

00:21:29: Und ungefähr in dem Zeitraum habe ich gemerkt, oha, jetzt wird es doch ein bisschen ernster.

00:21:35: Okay, wir kommen so langsam zum Ende.

00:21:38: Ich muss aber unbedingt ein paar Sachen noch loswerden.

00:21:40: Ich habe mit Neugierde gelesen, dass ihre Abschlussarbeit, dass es da schon um Bildungsbenachteiligung ging.

00:21:47: War das damals schon eine Herzensangelegenheit und wie wirkt das heute noch nach?

00:21:52: Ja, war es absolut, nicht nur aus der persönlichen Biografie heraus, sondern Also auf jeden Fall auch aus der persönlichen Biografie heraus, aber eben auch, weil ich im Laufe des Studiums immer wieder die Möglichkeit hatte, im Rahmen von Projekten, die auch hier an der Uni angedockt waren, Nebenjobs anzunehmen, die in dem Bereich sich auch bewegten.

00:22:11: Also ich habe früh schon mit der Puzziere Zeitstiftung zum Beispiel zusammengearbeitet und habe Leseförderung an der Grundschule gegeben.

00:22:20: Ich habe hier an der Uni ein Projekt aus der Fakultät der Erziehungswissenschaft junge Schülerinnen und Schüler mit Migrationsgeschichte, die das Potenzial hatten, Abitur zu machen, die dabei unterstützt, wirklich ihr Abitur zu schaffen und so weiter.

00:22:36: Und habe ganz früh gemerkt, dass das für mich wirklich ein Thema ist, was mich sehr beschäftigt.

00:22:41: Wie kann das sein, dass Der Bildungserfolg nicht einfach nur davon abhängig ist, wie intelligent ein Mensch ist oder wie willig er ist oder wie engagiert ein Mensch ist, sondern einfach so unglaublich viel daran hängt, wer sind meine Eltern und wie viel Geld existiert in diesem Elternhaushalt.

00:22:57: Und für mich war das total logisch, dass ich dazu weiter arbeiten und weiter forschen will.

00:23:03: Und deswegen war das irgendwie so eine logische Konsequenz, dass ich auch meine Abschlussarbeit darüber schreibe.

00:23:08: Und ehrlicherweise auch, dass ich dann ja auch über den Quereinstieg dann doch den Weg nochmal ins Referendariat und ein zweites Starksexamen gewählt habe und Berufsschullehrerin geworden bin.

00:23:18: Und genau das ja auch in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern immer wieder zum Thema gemacht habe und gesagt habe, hey, Bildungsgerechtigkeit fängt im Übrigen nicht erst dann an, wenn Menschen schon an der Universität sind, sondern in der Kita, das ist der Ort, wo wir bereits ansetzen müssen.

00:23:35: Da

00:23:37: habe ich noch zwei Fragen zum Abschluss.

00:23:39: Die eine ist, das sind beides so Zeitreisen.

00:23:42: Wenn wir es mal vorstellen, wir fragen die zwanzigjährige Mariam, was sie heute am meisten überraschen würde, wenn sie jetzt auf ihr Leben guckt.

00:23:55: Dann... Ist es wahrscheinlich, dass ich Söhne habe, die größer sind als ich?

00:24:02: Nein.

00:24:03: Dann ist es wahrscheinlich, dass ich gerade

00:24:08: hier sitze.

00:24:11: Und alles, was damit zu tun hat.

00:24:12: Also, ich hätte mit zwanzig niemals gedacht, dass ich... Also, ich hätte es nicht mal nicht gedacht.

00:24:19: Ich wäre nicht mal in die Sphären gekommen, darüber nachzudenken, irgendwann Senaturen sein zu können.

00:24:26: Das würde mich wahrscheinlich am meisten überraschen, ja.

00:24:29: Vermutlich ist der Klämer nicht zu übertrieben, wenn man sagt, die Bildung hat dabei eine große Rolle gespielt.

00:24:35: Ja, Bildung war der Schlüssel und wird immer der Schlüssel oder ein sehr zentraler Schlüssel sein für den persönlichen Erfolg eines Menschen.

00:24:44: Da kommen wir zur Abschlussfrage.

00:24:46: Wenn wir uns jetzt noch vorstellen, wir könnten die Gesetze der Physikauserkraft setzen und Sie könnten jetzt nochmal der jungen Mariam von zwei tausend fünf einen Satz zu rufen.

00:24:56: Was wäre das?

00:24:59: Dann wäre das wahrscheinlich, hören wir die Bildungsweg nicht auf, weil ich nachhinein denke, ich hätte auch an der Uni vielleicht bleiben können.

00:25:07: Mir begegnen ja so viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in diesen Wochen und Monate und wahrscheinlich in den nächsten Jahren auch weiterhin als Wissenschaftsinnatoren.

00:25:16: Ich bin sprachlos begeistert, also ich finde keine Worte, wie begeistert ich von denen bin und merke immer wieder im Kontakt, dass das auch was für mich gewesen wäre.

00:25:27: Also vielleicht das.

00:25:29: Okay, sehr schön.

00:25:30: Dann herzlichen Dank, dass ich heute die Zeit genommen habe.

00:25:32: Vielen Dank für das schöne Gespräch.

00:25:33: Danke auch.

00:25:34: Bis zum nächsten.

00:25:35: Tschüss.

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